Forscher der Yale School of Medicine (YSM) machen auf einen wichtigen und vermeidbaren Faktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufmerksam. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Verbesserung des Schlafs eine viel größere Rolle für die Gesundheit des Herzens spielen könnte, als vielen Menschen bewusst ist. In einer im Journal of the American Heart Association veröffentlichten Studie analysierten Wissenschaftler Daten von fast 1 Million US-Veteranen nach dem 11. September 2001.
Sie stellten fest, dass Erwachsene, die sowohl an Schlaflosigkeit als auch an obstruktiver Schlafapnoe leiden, ein deutlich höheres Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben als diejenigen, die nur an einer der beiden Erkrankungen leiden. Diese Kombination, die als komorbide Schlaflosigkeit und Schlafapnoe (COMISA) bezeichnet wird, stach als besonders schädliche Risikokategorie hervor. „Wir verbringen enorm viel Zeit mit der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Spätstadium, aber viel weniger Zeit mit der Bekämpfung von veränderbaren Risikofaktoren im Frühstadium“, sagt Allison Gaffey, PhD, Assistenzprofessorin für Medizin (Herz-Kreislauf-Medizin) an der YSM und Erstautorin der Studie. „Schlafstörungen, die bei Veteranen häufig auftreten, werden oft als sekundäre Probleme behandelt.“
Schlaflosigkeit und Schlafapnoe überschneiden sich oft
Ärzte diagnostizieren und behandeln Schlaflosigkeit und obstruktive Schlafapnoe in der Regel als separate Erkrankungen. Schlaflosigkeit erschwert das Einschlafen oder Durchschlafen. Bei Schlafapnoe kommt es nachts zu wiederholten Atempausen. Viele Menschen leiden jedoch gleichzeitig unter beiden Erkrankungen, und wenn sie zusammen auftreten, können sich die gesundheitlichen Auswirkungen verstärken. „Diese Erkrankungen existieren nicht einfach nur höflich nebeneinander“, sagt Gaffey. „Die eine zu behandeln und die andere zu ignorieren, ist ein bisschen so, als würde man Wasser aus einem Boot schöpfen, ohne das Leck zu reparieren.“

Die Obstructive sleep apnea hingegen ist eine körperlich bedingte Schlafstörung. Dabei kommt es im Schlaf wiederholt zu Atempausen, weil die oberen Atemwege vorübergehend blockiert sind. Diese Atemaussetzer führen zu kurzen Weckreaktionen, die die natürliche Schlafstruktur stören, auch wenn sich die Betroffenen nicht immer bewusst daran erinnern. Typische Anzeichen sind lautes Schnarchen, Atemaussetzer, plötzliches Luftschnappen sowie ausgeprägte Tagesmüdigkeit und morgendliche Kopfschmerzen. Langfristig kann die Erkrankung das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme erhöhen.
Treten beide Störungen gleichzeitig auf, können sie sich gegenseitig verschärfen. Die wiederholten Atempausen bei Schlafapnoe führen zu häufigem Aufwachen, was die Entwicklung oder Aufrechterhaltung einer Schlaflosigkeit begünstigen kann. Umgekehrt verstärkt die mit der Insomnie verbundene innere Anspannung das subjektive Erleben von schlechtem Schlaf. Deshalb ist es wichtig, bei entsprechenden Beschwerden beide Störungen in Betracht zu ziehen und gegebenenfalls gemeinsam zu behandeln.
Warum Schlafstörungen das Herz belasten
Dieser Zusammenhang ist wichtig, da Schlaf für die Regulierung des Herz-Kreislauf-Systems unerlässlich ist. Während eines gesunden Schlafs haben das Herz und die Blutgefäße Zeit, sich auszuruhen, zu regenerieren und sich zurückzusetzen. „Schlaf berührt jeden einzelnen Teil unseres Daseins“, sagt Dr. med. Andrey Zinchuk, MHS, außerordentlicher Professor für Medizin (Lungen-, Intensiv- und Schlafmedizin) an der YSM und leitender Autor der Studie. „Oft wird er vernachlässigt, obwohl er einen so wichtigen Einfluss auf unser Leben hat.“ Wenn der Schlaf durch häufiges Aufwachen, kürzere Schlafdauer oder Atempausen wiederholt gestört wird, verliert das Herz-Kreislauf-System wichtige Erholungszeit. Zinchuk erklärt, dass sich das Herz und die Blutgefäße ohne diese nächtliche Erholung nicht richtig anpassen und ihr Gleichgewicht wiederherstellen können.
In einer normalen, gesunden Nacht sinkt die Herzfrequenz ab, der Blutdruck fällt, die Gefäße entspannen sich, und der Körper schaltet in einen regenerativen Modus. In dieser Zeit kann sich das Herzgewebe erholen, das autonome Nervensystem – also das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus – stabilisiert sich, und wichtige Reparatur- und Reinigungsprozesse im Körper laufen ab. Dieser nächtliche Rhythmus ist entscheidend, damit Herz und Gefäße ihr Gleichgewicht wiederherstellen und optimal funktionieren.
Wenn der Schlaf jedoch gestört ist, etwa durch häufiges Aufwachen, eine verkürzte Schlafdauer oder Atempausen bei der Obstructive sleep apnea, fällt diese Erholungsphase aus. Das Herz bleibt länger in einem Zustand erhöhter Aktivität, Stresshormone wie Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet, und Blutdruck sowie Herzfrequenz steigen häufiger an. Langfristig führt dies zu einer chronischen Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Die Fähigkeit des Herzens, sich an veränderte Anforderungen anzupassen, nimmt ab, und die Gefäße verlieren an Elastizität. Dadurch steigt das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Besonders kritisch ist, dass Betroffene die nächtlichen Belastungen oft nicht bewusst wahrnehmen. Obwohl der Schlaf oberflächlich erscheinen mag, arbeiten Herz und Kreislauf kontinuierlich gegen die Unterbrechungen an.
Prävention und frühzeitiges Herz-Kreislauf-Risiko
Ein wichtiges Ziel der Studie war es, festzustellen, ob Schlafstörungen das kardiovaskuläre Risiko früh genug beeinflussen, damit Präventionsmaßnahmen noch etwas bewirken können. „Wir wollten wissen, ob COMISA in der frühen Phase der kardiovaskulären Risikobereichung eine Rolle spielt“, sagte Gaffey, „und nicht erst Jahrzehnte später, wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist.“ Laut Gaffey sollten anhaltende Schlafprobleme nicht als geringfügige Beeinträchtigungen abgetan werden.

Wie man eine gesunde Herzfunktion fördern kann
Um das Herz bestmöglich zu schützen, hilft ein ganzheitlicher Ansatz, der Lebensstil, Schlaf, Ernährung, Bewegung und medizinische Vorsorge kombiniert. Wichtige Punkte sind:
Gesunder Schlaf
Regelmäßige Schlafzeiten, ausreichend Schlafdauer und gute Schlafqualität sind entscheidend. Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit oder Schlafapnoe sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, da sie direkt das Herz-Kreislauf-System belasten.
Ausgewogene Ernährung
Eine herzgesunde Ernährung ist reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Fisch und pflanzlichen Ölen und arm an gesättigten Fetten, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Diese Ernährungsweise senkt Blutdruck, Cholesterin und Entzündungswerte im Körper.

Schon 30 Minuten moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen an fünf Tagen pro Woche stärken Herz und Gefäße, verbessern die Durchblutung und senken das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes.
Gewicht und Stoffwechsel im Blick behalten
Ein gesundes Körpergewicht reduziert die Belastung des Herzens. Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Stressreduktion und mentale Gesundheit
Chronischer Stress erhöht Herzfrequenz und Blutdruck. Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen oder Yoga können das Herz entlasten.
Kein Rauchen und moderater Alkoholkonsum
Rauchen schädigt Gefäße und Herzmuskel direkt. Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
Frühe Erkennung von Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterin oder anderen Risikofaktoren ist entscheidend, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.







