Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus in den Vierzigern könnte still und leise den Grundstein für spätere Herzprobleme legen. Forscher, die über ein Jahrzehnt lang Tausende von Menschen beobachteten, stellten fest, dass Personen mit sehr unregelmäßigen Schlafenszeiten – insbesondere wenn sie weniger als acht Stunden schliefen – ein etwa doppelt so hohes Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle hatten. Interessanterweise kam es nicht in erster Linie darauf an, wann die Menschen aufwachten, sondern darauf, wie unregelmäßig ihre Schlafenszeit war.
Warum regelmäßige Schlafenszeiten für das Herz wichtig sein könnten
Wenn man in der Lebensmitte jeden Abend zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett geht, könnte dies ein Warnzeichen für künftige Herzprobleme sein. Neue Forschungsergebnisse der Universität Oulu deuten darauf hin, dass starke Schwankungen bei der Schlafenszeit das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse erheblich erhöhen können, insbesondere bei Menschen, die weniger als acht Stunden im Bett verbringen. Die Studie stellte einen starken Zusammenhang zwischen unregelmäßigen Schlafenszeiten und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Herzereignisse fest. Menschen, deren Schlafdauer unter acht Stunden lag und deren Schlafrhythmus stark schwankte, waren einem etwa doppelt so hohen Risiko ausgesetzt wie diejenigen mit regelmäßigeren Schlafgewohnheiten. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei unregelmäßigen Aufstehzeiten kein eindeutiger Zusammenhang mit Herzproblemen. Zu den schweren kardiovaskulären Ereignissen in dieser Studie zählten Erkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt oder Hirninfarkt.

„Frühere Studien haben unregelmäßige Schlafgewohnheiten mit Risiken für die Herzgesundheit in Verbindung gebracht, aber dies ist das erste Mal, dass wir die Schwankungen bei der Schlafenszeit, der Aufwachzeit und dem Mittelpunkt der Schlafphase – sowie deren unabhängige Zusammenhänge mit schweren kardialen Ereignissen – gesondert untersucht haben“, sagt die Postdoktorandin Laura Nauha von der Universität Oulu.
Erfassung von Schlafgewohnheiten und langfristiger Gesundheit
Die Studie der Universität Oulu begleitete insgesamt 3.231 Personen aus Nordfinnland über einen außergewöhnlich langen Zeitraum. Alle Teilnehmer waren Teil einer Geburtskohorte des Jahres 1966 und befanden sich zum Zeitpunkt der Schlafmessung im Alter von etwa 46 Jahren. Anders als bei vielen früheren Untersuchungen wurden die Schlafgewohnheiten nicht nur anhand subjektiver Fragebögen erfasst, sondern mithilfe von Aktivitätsmonitoren objektiv gemessen. Diese Geräte zeichneten über eine Woche hinweg auf, wann die Teilnehmer ins Bett gingen, wann sie aufstanden und wie stark ihre Schlafzeiten von Tag zu Tag schwankten. Anschließend verfolgten die Forscher den Gesundheitszustand der Teilnehmer über mehr als zehn Jahre hinweg mithilfe nationaler Gesundheitsregister. Dadurch konnten sie feststellen, ob Personen mit besonders unregelmäßigen Schlafzeiten später häufiger schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall entwickelten. Solche langfristigen Beobachtungsstudien gelten als besonders wertvoll, weil sie Zusammenhänge zwischen alltäglichen Verhaltensweisen und späteren Gesundheitsrisiken sichtbar machen können.
Nach Einschätzung der Forscher könnten vor allem stark wechselnde Schlafenszeiten die innere biologische Uhr des Körpers belasten. Diese sogenannte zirkadiane Rhythmik steuert zahlreiche lebenswichtige Prozesse, darunter Blutdruck, Herzfrequenz, Hormonhaushalt, Stoffwechsel und Entzündungsreaktionen. Wenn die Schlafenszeit ständig variiert, muss sich der Organismus immer wieder neu anpassen, was langfristig zu einer erhöhten Belastung des Herz-Kreislauf-Systems führen könnte. Die Ergebnisse der Studie legen deshalb nahe, dass nicht allein die Schlafdauer entscheidend ist, sondern auch die Regelmäßigkeit des Schlafrhythmus. Menschen, die jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit schlafen gehen, unterstützen damit möglicherweise die Stabilität ihrer biologischen Prozesse und fördern langfristig ihre Herzgesundheit. Die Forscher betonen zugleich, dass es sich um einen statistischen Zusammenhang handelt und nicht um einen endgültigen Beweis für Ursache und Wirkung. Dennoch gilt ein regelmäßiger Schlafrhythmus als ein Lebensstilfaktor, den viele Menschen bewusst beeinflussen können.
Zu viel – oder zu wenig – Schlaf erhöht das Herzinfarktrisiko
Dass zu wenig – oder zu viel – Schlaf das Herzinfarktrisiko erhöhen kann, zeigten bereits frühere Forschungen der University of Colorado Boulder. Die Studie ergab auch, dass bei Personen mit einem hohen genetischen Risiko für einen Herzinfarkt ein nächtlicher Schlaf von 6 bis 9 Stunden dieses Risiko ausgleichen kann. Für die Studie analysierten Forscher vom Massachusetts General Hospital und der Universität Manchester die genetischen Daten, die selbst angegebenen Schlafgewohnheiten und die Krankenakten von 461.000 Teilnehmern der UK Biobank im Alter von 40 bis 69 Jahren, die noch nie einen Herzinfarkt erlitten hatten, und beobachteten sie anschließend über einen Zeitraum von sieben Jahren. Im Vergleich zu denjenigen, die 6 bis 9 Stunden pro Nacht schliefen, war bei denjenigen, die weniger als sechs Stunden schliefen, die Wahrscheinlichkeit, während des Untersuchungszeitraums einen Herzinfarkt zu erleiden, um 20 Prozent höher. Bei denjenigen, die mehr als neun Stunden schliefen, lag die Wahrscheinlichkeit um 34 Prozent höher. Als die Forscher nur Personen mit einer genetischen Veranlagung für Herzerkrankungen betrachteten, stellten sie fest, dass ein Schlaf von sechs bis neun Stunden pro Nacht ihr Risiko für einen Herzinfarkt um 18 Prozent senkte.

Mithilfe einer Methode namens „Mendelsche Randomisierung“ untersuchten die Forscher anschließend die genetischen Profile der Teilnehmer, um festzustellen, ob bei denjenigen, die genetisch für kurzen Schlaf prädisponiert waren, die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkte höher war. 27 genetische Varianten wurden mit kurzem Schlaf in Verbindung gebracht. Sie beobachteten ähnliche Muster und stellten fest, dass eine genetisch bedingte kurze Schlafdauer ein Risikofaktor für Herzinfarkte ist.
Die Studie untersuchte nicht den Mechanismus, durch den kurzer oder langer Schlaf das Herzinfarktrisiko erhöhen könnte, doch frühere Studien haben einige Erklärungen aufgezeigt. Zu wenig Schlaf kann die Auskleidung der Arterien (das Endothel) beeinträchtigen, die Bildung von Entzündungszellen im Knochenmark beeinflussen, aber auch zu einer ungesunden Ernährung und ungünstigen Essenszeiten führen (was wiederum das Gewicht und damit die Herzgesundheit beeinträchtigen kann). Zu viel Schlaf kann zudem Entzündungen im Körper verstärken, was ebenfalls mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Die Autoren hoffen, dass die Studie das Bewusstsein für die Vorteile des Schlafs für die Herzgesundheit bei Ärzten, Gesundheitsbehörden und der Öffentlichkeit schärfen wird.







